Umnutzung von Kirchengebäuden

Tagung „Strukturwandel - Bleibt die Kirche im Dorf?“ - Nachbericht

Was wird aus den vielen Pfarrkirchen in Zeiten des Priestermangels und des sinkenden Interesses an Gottesdiensten? Welche Möglichkeiten gibt es? Dies und vieles andere wurde am 24. Juni 2017 diskutiert.

Am 24. Juni 2017 lud Ministerin Isabelle Weykmans zu einer Tagung in den Europasaal des Ministeriums ein, bei der die Kirchengebäude Ostbelgiens im Mittelpunkt standen. Ziel der gut besuchten Veranstaltung war es, ein Gesprächsforum zu schaffen zum aktuellen Stand des fortschreitenden Prozesses des Strukturwandels der Kirche sowie der Begräbniskultur.

Kirche Weweler

Im Vorfeld wurden die Kirchenfabriken und Gemeinden dazu aufgerufen, die Nutzung, den Zustand sowie ggf. die Vision für ihre Kirchengebäude mitzuteilen. Es gab zahlreiche Rückmeldungen mit vielen interessanten Aussagen. So wurde einige Male auf die Hilfe der zahlreichen Ehrenamtlichen hingewiesen, ohne die die Kapellen und Kirchen der Gemeinde nicht unterhalten und somit für die Zukunft auch gesichert werden könnten. Mehrmals wurde auch geäußert, dass die Kirche oder Kapelle als Ort der Gemeinschaft, der Begegnung und der Ruhe wichtiger Bestandteil der Identität des Dorfes oder des Viertels sei und als Bereicherung für das Dorfleben empfunden werde.

Trotz allem stehen die Kirchenfabriken vor dem Problem, dass auch in Ostbelgien die „Besucherzahlen“ der kirchlichen Gebäude sowie die Anzahl Priester sinken, jedoch die Kosten für den Unterhalt gleich bleiben. Wie geht man mit diesem Problem um?

Zahlreiche neue Erkenntnisse nach Denkmalschutztagung

Der Dipl.-Ing. Jörg Beste vom Kölner Büro synergon gab in einem sehr interessanten Impulsreferat einige Beispiele aus Nordrhein-Westfalen sowie Anregungen. Herr Beste hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema „Neuorientierungsprozesse von Kirchen“ beschäftigt und war somit sicherlich der richtige Gesprächspartner. So konnte er die Teilnehmer nur beglückwünschen, dass man sich frühzeitig mit dem Thema beschäftige, noch bevor eine akute Situation bevorstünde. Er machte deutlich, welche sozialen und kulturellen Auswirkungen die Schließung, Umnutzung oder der Abriss einer Kirche auf ein Stadtteil oder Dorf haben können. Die Kirche ist Mittelpunkt und Wahrzeichen und trägt zur Identitätsbildung bei. Daher sei es umso wichtiger, dass jeder Akteur in einen möglichen Prozess der Umnutzung mit einbezogen werde. Im besten Fall könne ein Dorf sogar von einer Umnutzung profitieren: indem versucht werde, die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen und ein ganzheitliches Umnutzungsprojekt geschaffen werde.

Angesprochen wurde auch die Problematik der nicht genutzten, jedoch erhaltenswerten Grabstätten. Wie sollen unsere Friedhöfe aussehen? Was passiert, wenn die Familie wegzieht und eine Grabstätte nicht gepflegt werden kann? Wie kann man Grabmale über einen längeren Zeitraum hinweg erhalten? Wie kann die Urnenbestattung in Ostbelgien umgesetzt werden?

Auch wenn in Ostbelgien keine akuten Probleme vorliegen, muss man sich trotzdem frühzeitig mit der Problematik auseinandersetzen. Unser Ziel sollte es sein, die Kirchengebäude für die kommenden Generationen zu sichern. Der erste gedankliche Anstoß wurde nun getätigt.