Ein Denkmal der anderen Art

Transformatorenturm in Kettenis bleibt als Zeitzeugnis erhalten

Gebäude sind oft von unschätzbarem Wert. An ihnen lässt sich ablesen, wie Menschen in einer bestimmten Epoche gelebt haben, welche Baustile en vogue waren und welche technischen Errungenschaften bestimmte Zeiten prägten. Dazu zählen auch Industriedenkmäler.

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Wenn man an denkmalgeschützte Bauwerke denkt, kommen einem sofort alte herrschaftliche Bruchsteinhäuser, Schlösser, Burgen und Villen aus längst vergangenen Zeiten in den Sinn. Aber Transformatorentürme? Wohl kaum! Doch auch sie haben das Zeug zum Denkmal.

Obwohl sie durch die Einführung moderner Techniken zur Energiebeförderung Stück für Stück vom Netz genommen wurden, prägen sie hierzulande immer noch das Landschaftsbild. Doch wird das so bleiben? Manch ein Turm wurde schon abgerissen oder ersetzt, andere laufen Gefahr zu zerfallen.

Ein Stück Industriegeschichte

Für den Transformatorenturm in Eupen-Kettenis an der Merolser Straße gab es nun aber ein Happy End. Der gut acht Meter hohe Turm wurde nämlich von der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft unter Denkmalschutz gestellt. So soll sichergestellt werden, dass er exemplarisch für eine ganze Generation von Transformatorengebäuen in Ostbelgien erhalten bleibt.

Wie kam es dazu? Das Eupener Gemeindekollegium reichte in seiner Eigenschaft als Eigentümer im Jahr 2017 bei der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft einen entsprechenden Antrag ein, der zunächst zur vorläufigen Unterschutzstellung des Transformatorengebäudes führte.

Die Königliche Denkmal- und Landschaftsschutzkommission prüfte den Vorschlag der Stadt Eupen ebenfalls und reichte ein günstiges Gutachten ein. Am 6. Dezember 2018 wurde der Transformatorenturm schließlich als wichtiges Industriedenkmal endgültig unter Denkmalschutz gestellt.

Touristische Attraktion

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Im offiziellen Erlass heißt es, dass der Transformatorenturm in Kettenis „einen architektur-, regionalgeschichtlichen sowie technischen Wert hat und in seiner Gesamtheit exemplarisch erhalten werden sollte“. Weiterer Pluspunkt: Er befindet sich direkt an einer beliebten Radstrecke, sodass er dort gut von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden kann und auch in touristischer Hinsicht von Interesse ist. Darüber hinaus ist geplant, dort eine Infotafel einzurichten, die über die Geschichte und den Wert von Transformatorengebäuden berichtet.

„Im Laufe des Verfahrens konnten wir zudem dokumentieren, wo in Ostbelgien weitere Transformatorengebäude zu finden sind. Es ist allerdings nicht Ziel des Denkmalschutzes, flächendeckend alle noch vorhandenen Transformatorentürme als Denkmal zu schützen. Daher wurde der Transformatorenturm an der Meroser Straße exemplarisch geschützt“, erklärt Sabrina Goenen vom Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Alt trifft auf Neu

Wann genau der Transformatorenturm in Kettenis gebaut wurde, ist allerdings unklar. Zwar finden sich im Eupener Staatsarchiv ein Lageplan zur Errichtung aus dem Jahr 1928 sowie einige Baupläne von ähnlichen Transformatorentürmen aus dieser Zeit, die jedoch abgerissen wurden – mehr aber auch nicht. So geht man davon aus, dass der Bau wohl im Laufe der 1930er-Jahre erfolgt sein muss. Mittlerweile bildet er einen deutlichen Kontrast zu der neueren, weiß verputzten Elektrokabine, die in unmittelbarer Nähe erbaut wurde.