Folge 1: Das sind die aktuellen Neuanschaffungen

Im Ministerium trifft Kunst auf Verwaltung

Achtung Kunst! Das Präsidium des Rates der deutschen Kulturgemeinschaft regte 1974 den Erwerb von Kunstgegenständen an. Los ging es mit dem Ankauf einer Arbeit des Raerener Künstlers André Blank. Mittlerweile beheimatet das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft mehr als 1000 Kunstwerke.

Seit 1984 kauft das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft regelmäßig Kunstwerke mit Ostbelgien-Bezug oder von Künstlern, die aus Ostbelgien stammen oder hier arbeiten, an. Im Jahr 2017 wurde mit Blick auf zukünftige Ankäufe eine fünfköpfige Kunstkommission eingerichtet. Diese bewertet die vorgeschlagenen Kunstwerke und empfiehlt den Ankauf per Gutachten – oder auch nicht. Zum Schluss entscheidet Isabelle Weykmans, Ministerin für Kultur und Sport, Beschäftigung und Medien der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, über den Ankauf, der einmal pro Jahr erfolgt.

Geregelte Kunstankäufe seit 2017

„Seitdem wir diese Kommission ins Leben gerufen haben, laufen unsere Ankäufe geregelter ab“, so Ralph Cüpper vom Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Er verwaltet und betreut die umfassende Kunstsammlung. Pro Jahr werden Werke von vier bis sechs Künstlern erworben, darunter nicht selten junge Künstler. Inzwischen ist das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Besitz von mehr als 1000 Kunstwerken aus folgenden Bereichen:

  • Fotografie

  • Malerei

  • Zeichnung, Illustration und Grafik

  • Druck, Plakatkunst und Infografik

  • Dreidimensionales

Ein wichtiges „Kunstgedächtnis“

„Kunst ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Daher sieht sich das Ministerium in der Pflicht, für regional bedeutsame Kunstwerke einen Ort zu schaffen, wo sie für die Nachwelt erhalten bleiben“, erklärt Ralph Cüpper. Die meisten Werke werden in öffentlichen Gebäuden ausgestellt. Nicht nur im Ministerium selbst, sondern auch in Gemeindehäusern, im Parlament, im Redaktionshaus des Belgischen Rundfunks, in Krankenhäusern oder auch in Arbeitsämtern. Alle anderen Kunstwerke werden fachmännisch in einem Depot gelagert.

Das sind „die Neuen“

2018 wurden Kunstwerke von sechs Künstlern angekauft. Diese konnten aufgrund von Umbauarbeiten im Ministerium bislang nicht öffentlich gezeigt werden. Eine nachträgliche Ausstellung ist allerdings geplant. Online sind sie schon jetzt auf dem Kulturerbe-Portal unter dem Reiter „Neuankäufe 2018“ einsehbar. In drei Folgen möchten wir Ihnen die sechs Künstler kurz vorstellen. Den Anfang machen Vanessa Leissring und Helge Hommes.

Vanessa Leissring: Petrol Stations

Petrol Stations - Aral

Tankstellen als Kunstobjekt? Warum nicht! Die Fotografin Vanessa Leissring beweist, dass auch Gewöhnliches bei richtiger Betrachtung etwas Faszinierendes ausstrahlen kann. Die international mehrfach ausgezeichnete deutsche Künstlerin setzte in den Jahren 2008 bis 2012 insgesamt zehn Tankstellen fotografisch in Szene und veröffentlichte die so entstandenen Werke 2015 als Serie unter dem Titel „Petrol Stations“. Alltagskultur par excellence. Auf ihren Fotografien erstrahlen die verschiedenen Tankstellen in nächtliches Dunkel gehüllt als hell erleuchtete Inseln. Fast wirken die menschenleeren Orte wie von einer anderen Welt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Helge Hommes: Morgenland – Kommst du mit in den Wald

Morgenland - kommst du mit in den Wald 5

Im absoluten Kontrast zu diesen inszenierten Fotografien steht das „natürlich“ gehaltene Gemälde des Künstlers Helge Hommes. Aus der im Jahr 2016 entstandenen Serie „Morgenland – Kommst du mit in den Wald“ erwarb das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein 40 x 50 cm großes Ölgemälde. Hommes machte in seinen Kunstwerken mehrfach auf das ausbeuterische und zerstörerische Verhalten der Menschen gegenüber Bäumen als Lebewesen aufmerksam. In seinen Walddarstellungen aus dem Jahr 2016 verfolgt der 55-jährige Künstler, der sich vom Pflastermaler zum international anerkannten Künstler entwickelt hat, jedoch eine neue künstlerische Richtung. Denn hier taucht der Betrachter tief in das Unterholzgestrüpp ab.

Am 29. Januar präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle Werke von zwei weiteren Künstlern, die das Ministerium im Jahr 2018 erworben hat.