Kunstsammlung: Schenkung

Schwestern kehren ins Kloster Heidberg zurück!

Eine Zeitungsente? Nein, doch die Meldung muss präzisiert werden. Gemeint ist nämlich ein altes Gemälde, das nach langer Abwesenheit und aufwändiger Restaurierung wieder seinen Platz im jetzt modern genutzten Klostergebäude gefunden hat.

Die Überraschung war groß: Im Herbst 2018 rief Schwester Katharina, Generaloberin der Franziskanerinnen vom Heiligen Herzen Jesu, Rekollektinnen aus Bonn, das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft an. In Eupen hatte man seit einem halben Jahrhundert nichts mehr von den Schwestern, die im Jahre 1964 das Kloster endgültig verlassen und eine neue Bleibe in Ramersdorf bei Bonn gefunden hatten, gehört.

Worum ging es?

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Foto: Kerstin Stickelmann

In Ramersdorf stand ein erneuter Umzug der Schwesterngemeinschaft an. Im Besitz dieser Gemeinschaft befand sich ein 300 Jahre altes Ölgemälde. Das Bild stellt die beiden von Engeln umgebenen Gründerschwestern des Heidberg-Klosters dar.

Die neue Adresse bot leider keinen Platz mehr für das große Gemälde. Das Bild befand sich in einem bedauerlich schlechten Zustand. Die letzten 300 Jahre und der Ruß von abertausenden Kerzen waren nicht spurlos an dem Gemälde vorübergegangen. In Bonn hat man sich an den Eupener Ursprung erinnert. Man wollte das Bild der Deutschsprachigen Gemeinschaft als Eigentümerin des Kloster Heidbergs schenken.

Wie kam das Gemälde nach Eupen?

Einige Wochen später nahmen zwei Mitarbeiter des Ministeriums das Bild in Ramersdorf in Empfang. Das Gemälde erhielten sie durch eine feierliche Übergabe von Schwester Katharina. Das 185 x 154 cm große Gemälde befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Es war verrußt, vergilbt, stark rissig und stellenweise durchlöchert und hing halb schlaff, halb verhärtet in seinem schiefen Rahmen.

Nach seinem Eintreffen in Eupen untersuchte eine Expertin das Gemälde gründlich. Nach der Untersuchung wurde das erhaltenswerte Gemälde schließlich einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Die minutiöse Arbeit erstreckte sich über viele Wochen. Nun erstrahlt das Bild in neuem Glanz und erinnert mit seinen frischen Farben und wiederentdeckten Details gar nicht mehr an seine triste Erscheinung im Halbdunkel der Ramersdorfer Kapelle.

Wo kann das Bild bestaunt werden?

Für die Retter des Bildes war es selbstverständlich, dass dieses nach seinem langen Exil und seiner Verjüngungskur nun auch öffentlich präsentiert werden sollte. Da gibt es keinen besseren Ort für als das Heidberg-Kloster. Nach anfänglichen Vorbehalten wegen des sperrigen Formates (und auch ein wenig wegen des unzeitgemäßen Inhaltes) hießen die Betreiber des Seminar- und Eventzentrums Kloster Heidberg das Bild schließlich willkommen und erklärten sich bereit, es in das modernisierte Gebäude zu integrieren. Im Kontrast zu schneeweißen Treppenhauswänden und einer modernen Sichtbetonwand bildet es nun einen originellen Blickfang.

Was wohl die Schwestern Jeanne und Isabelle zu dieser Auferstehung gesagt hätten?

Weitere Informationen zu dem Bild erhalten Sie in der Infobox und den weiterführenden Links.

Das unbetitelte Ölgemälde, dessen Autor unbekannt ist, stammt aus dem Jahre 1718 und ist demnach zwanzig Jahre nach der Gründung des Klosters entstanden, die dem entsprechenden Gesuch des Lütticher Bürgermeisters Jacques-Thomas de Goer de Herve (1645-1707) folgte. Bei den abgebildeten Schwestern handelt es sich laut Überlieferung um Jeanne (1644-1722) und Isabelle (1661-1737), Mitglieder der Familie de Goer de Herve. Das Symbol in der oberen Bildmitte ist das des Herz-Jesu-Ordens.

Das Gemälde vor der Restaurierung