Im Ministerium trifft Kunst auf Verwaltung

Das sind die Neuanschaffungen 2019: Teil 2

Kunst hat viele Gesichter! Das beweist das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Das Präsidium des Rates der deutschen Kulturgemeinschaft regte 1974 den Erwerb von Kunstwerken an. Mittlerweile beheimatet das Ministerium mehr als 1000 Werke.

Seit 1984 kauft das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft regelmäßig Kunstwerke

  • mit Ostbelgien-Bezug oder
  • von Künstlern, die aus Ostbelgien stammen oder hier arbeiten.

Im Jahr 2017 wurde mit Blick auf zukünftige Ankäufe eine fünfköpfige Kunstkommission eingerichtet. Diese bewertet die vorgeschlagenen Kunstwerke und empfiehlt den Ankauf per Gutachten – oder auch nicht. Zum Schluss entscheidet die Ministerin für Kultur über den Ankauf.

Inzwischen ist das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Besitz von mehr als 1000 Kunstwerken aus den Bereichen:

  • Fotografie
  • Malerei
  • Zeichnung, Illustration und Grafik
  • Druck, Plakatkunst und Infografik
  • Dreidimensionales

Ein wichtiges „Kunstgedächtnis“

„Kunst ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Daher sieht sich das Ministerium in der Pflicht, für regional bedeutsame Kunstwerke einen Ort zu schaffen, wo sie für die Nachwelt erhalten bleiben“, erklärt Ralph Cüpper

Ralph Cüpper vom Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft verwaltet und betreut die umfassende Kunstsammlung. Die meisten Werke werden in öffentlichen Gebäuden ausgestellt. Alle anderen Kunstwerke werden fachmännisch in einem Depot gelagert.

Das sind „die Neuen“

2019 wurden Kunstwerke von fünf Künstlern angekauft. Diese können auch online auf dem Kulturerbe-Portal unter dem Reiter „Neuankäufe 2019“ bewundert werden. Eine gute Alternative in Zeiten der Corona-Pandemie.

In der zweiten Folge stellen wir Ihnen die Künstler Joachim Peter Buchholz, Roland Groteclaes und Jürgen Claus kurz vor.

Joachim Peter Buchholz: Siluro II

Siluro II von Joachim Peter Buchholz

Die von Joachim Peter Buchholz genutzte Technik ist innovativ und bleibt als artifizielle Formwelt zwischen Technik und Naturform aktuell. Wie bei dem Werk „Siluro II“ bildet der Künstler aus Metallstreifen Formgerüste, die er dann verbindet und mit entsprechend auf die Lücken zugeschnittenen Blechen flächendeckend verschließt. Werke wie dieses behandeln das Thema Durchbrechung, Öffnung, Rückseite, außen und innen.

Joachim Peter Buchholz wurde 1939 in Augsburg geboren. Er hat an der Kunstakademie in München studiert und war seit 1975 als Professor an der PH/RWTH in Aachen und von 1986 bis 2004 an der Universität in Köln aktiv. Er führt seine teils großformatigen Arbeiten handwerklich selbst aus. Der Künstler lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Raeren und halbjährlich in Corte Gandazza (Italien).

Roland Groteclaes: Architekturplan „Capitol“

Capitol von Roland Groteclaes

„Kunst kann alles und nichts“ – dieses provokante Statement prangt auf Roland Groteclaes‘ Zeichnung mit dem Titel „Das neue CAPITOL 2.0 Eupen“. Und damit stellt sie einen frechen aber gleichzeitig verblüffend pragmatischen Entwurf des Künstlers für das jahrzehntelang diskutierte Projekt eines ostbelgischen Kulturzentrums dar. Die bestehenden Bauten des IKOB-Museums und des vorhandenen Kaufhauses werden dabei kurzerhand in den Gesamtbau integriert. Der Entwurf trägt den Namen des zeitweise zur Diskussion stehenden Eupener Kino- und Festsaales Capitol, dessen Umbau zum Kulturzentrum zugunsten des alten Schlachthofs verworfen wurde.

Roland Groteclaes wurde 1976 in Eupen geboren und absolvierte ein Kunststudium in Lüttich und Verviers. Seit 1995 ist er mit Comics, grafischen Arbeiten und Objekten auf Ausstellungen europaweit zu sehen. Roland Groteclaes lebt in Büllingen/Manderfeld und thematisiert innerhalb des breiten Spektrums seiner Arbeiten auch regionale Themen.

Jürgen Claus: Drei verschiedene Werke

Jürgen Claus ist seit den 1960er-Jahren als Kunsthistoriker, Texter, Künstler und Vermittler tätig. Zeichnungen, frühe Grafiken in den Stilen der Pop-Art und der Archigramm-Gruppe führten zu Objekten und aktuell zu Collagen, die einen speziellen Stil haben, der wissenschaftliche Illustrationen mit einbezieht. Er zählt zu den frühesten Unterwasser-Künstlern und Solarkünstlern, ist Mitgründer der Medienhochschule in Köln und des Zentrums für Kunst und Medien ZKM in Karlsruhe. Der Künstler wohnt seit Jahrzehnten in Baelen und hat dort sein Kunstzentrum. Mit weltweiten Kontakten ist der Künstler ein Botschafter der Region.

Die drei angekauften Werke, zwei Original-Rapidograph-Zeichnungen aus den frühen 1970er-Jahren und ein Werk aus einem 14-teiligen Tiefsee-Zyklus, stellen sehr frühe Auseinandersetzungen mit dem Meer als Lebensraum dar und erkunden die Möglichkeit der Kunst im Unterwasser-Medium. Diese Schlüsselwerke dokumentieren die ungewöhnliche Auseinandersetzung mit einem künftig immer wichtiger werdenden Teil unseres Planeten.

Stöbern Sie im Kulturerbearchiv und erfahren Sie unter „Kunstsammlung“ mehr zu den Kunstwerken.

Bilder von Jürgen Claus