Auf den Spuren unserer Kultur und Geschichte

  • Kirchen, Burgen, Gräber, Wälle und Friedhöfe.

  • Bäume, Weiher, Plätze, Gärten und Täler.

  • Dialekte, Gemälde, Fotos, Karten, Schriftstücke und Bücher.

Sie alle und noch vieles mehr machen das kulturelle Erbe unserer ostbelgischen Heimat aus. Damit Sie diese Schätze entdecken können, schnürt das Ministerium immer wieder Themenpakete und -routen. Suchen Sie sich einfach ein Thema aus und begeben Sie sich auf Entdeckungsreise in die Vergangenheit.

Ärmel

Ärmel
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Erläuterung

Ein Teil der Angaben zu diesem Bild hat gezeigt, dass wohl nicht ganz eindeutig war, dass nur der Ärmel gemeint war und nicht das ganze Kleidungsstück.  Die meisten Informanten haben jedoch wie erwartet mit Arm, Ärmel oder Mo/Mouw/Mau geantwortet.

Die Bezeichnung Arm folgt wie (Hosen-)Bein einem häufigen Muster, nach dem (Teile von) Kleidungsstücke(n) ebenso genannt werden wie die Körperteile, die sie bekleiden – so hat sich übrigens auch die heutige Bedeutung von Kragen aus der älteren, noch bis ins 18. Jh. üblichen Bedeutung 'Hals' entwickelt (vgl. noch Redewendungen wie Kopf und Kragen riskieren). Auch in der überregionalen Fachsprache findet sich der Gebrauch von Arm im Sinne von 'Ärmel' (Hemd mit kurzem/langem Arm).

Ärmel geht auf eine Diminutiv-Ableitung von Arm zurück, wobei mit dem Diminutiv hier nicht eine Verkleinerung, sondern eine Zugehörigkeit ausgedrückt ist, wie z.B. bei Eichel zu Eiche (s. Kluge) oder auch bei mittelhochdeutsch vingerlîn 'Fingerring' oder italienisch orecchino 'Ohrring'. So bedeutet Ärmel, althochdeutsch armilo, "ursprünglich alles, was den arm umwindet, also auch fessel, armkette" (DWB).

Die Herkunft von Moow/Mau ist nicht richtig klar; es handelt sich um ein spezifisch niederländisch-niederdeutsches Wort ohne eindeutige Anknüpfungsmöglichkeiten in anderen verwandten Sprachen. In mittelhochdeutschen  Ritterromanen kommt mouwe gelegentlich auch bei süddeutschen Autoren wie Hartmann von Aue (BMZ) vor; dahinter steht vermutlich die damalige "Flämisch-Mode", die sich mit der Rolle dieses Gebiets als Vermittler bei der Rezeption der französischen Ritterkultur erklärt und in einigen Entlehnungen niedergeschlagen hat.

Die heutige geographische Verteilung zwischen Arm (Är(e)m) und Ärmel einerseits und Mau/Mo(uw) andererseit ist im Kartengebiet ziemlich klar: Wieder einmal ergibt sich eine Nord-Süd-Teilung, bei der sich die Gemeinde Bütgenbach und der Nordteil der Gemeinde Büllingen zusammen mit dem Nordteil von Ostbelgien dem Niederländischen (mouw) und Niederdeutschen (Mau) anschließen.

In Deutschland setzt sich Mau zunächst nach Osten fort, aber unter deutlicher Konkurrenz von Ärmel.

Dagegen variieren Arm und Ärmel ohne klare regionale Unterschiede. Nach der Angabe zu Ärmel im Rheinischen Wörterbuch: "gegen Arm 3 u. Maue im Zurückgehen"  (Bd. 1, Sp. 246) kann wohl vermutet werden, dass hier gegenläufige Tendenzen im Widerstreit liegen, eine hin zur Vereinfachung (Arm wie der Körperteil) und eine hin zur Angleichung an das Standarddeutsche.

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