Saxby Stellwerk und der Raerener Bahnhof

Bahnhofsgebäude
Bahnhofsgebäude
Bahnhofsgebäude mit Güterschuppen und Laderampe
Saxby Stellwerk - Cabine SII
Flügelsignal
Drehscheibe
Drehscheibe
Flügelsignale
Stellstangenbündel
Stellstangenbündel und -drähte
Siemens Stellwerk Cab. S.I
Saxby Stellwerk Cab. SII
Lokomotivwasserkran
Wohnhaus des Bahnhofsvorstehers
 
Historischer Zeitabschnitt Zeitalter der Industrialisierung (1730 bis 1900)
Jahrhundert 19. Jahrhundert
Schutzstatus geschütztes Ensemble
Datum der Unterschutzstellung 17.04.2014
Kurzbeschreibung Der Bahnhof in Raeren mit seinen technischen Anlagen ist größtenteils noch im Originalzustand erhalten. Es ist ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Eisenbahngeschichte des auslaufenden 19. Jahrhunderts. Der starke Rückgang des Eisenbahnbetriebes im 20. Jahrhundert hat in Raeren zum Erhalt der Anlage geführt. Sie befindet sich derzeit in einem guten Zustand.

Der Bahnhof Raeren ist Teil der so genannten Vennbahn, der ehemaligen Eisenbahnstrecke zwischen Aachen und Luxemburg über Monschau und St. Vith. Der recht großzügig angelegte Bahnhof Raeren ging mit der Eröffnung der Vennbahn von Stolberg/Rothe-Erde in Richtung St. Vith im Jahr 1885 in Betrieb. Bereits im Jahr 1887 wurde der Bahnhof Raeren an eine zweite Bahnstrecke angeschlossen. Neu hinzu kam die Verbindungsstrecke von Raeren nach Herbesthal, die Raeren den Anschluss an die Hauptstrecke Aachen-Lüttich brachte. Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages wurde der Bahnhof Raeren mit Wirkung vom 28.02.1921 zum Grenzbahnhof Belgiens in Richtung Deutschland.
Beschreibung

Bahnhofsgebäude

Das Empfangsgebäude mit Güterschuppen und die Laderampe zur Holzverladung sind in einem sehr guten Zustand erhalten. Zwischen Empfangsgebäude und Stellwerk Cab. SI liegt das ehemalige Wohnhaus des Bahnhofsvorstehers, das sich ebenfalls in einem guten Zustand befindet. Die Gebäude mit den weit über das Mauerwerk herausragenden Dachüberständen und den versetzt angeordneten Dächern sind Zeugnisse der Bahnhofsarchitektur zur Zeit der Preußischen Rheinischen Eisenbahn und größtenteils in ihrem Originalzustand erhalten.

Technische Anlagen

Die mechanischen Stellwerke in Raeren sind jene der ersten Generation. In Raeren gibt es zwei Stellwerke, die aus der Erbauungszeit des Bahnhofs, 1885, stammen. Sie sind noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.

Stellwerk Cab. SII (SAXBY) mit Stellstangenbündel und Stelldrähte

Die Erfindung des Engländers John Saxby stellt eine Verriegelung zwischen Weichen- und Signalhebeln her, so dass sich beide nur in gegenseitiger Abhängigkeit betätigen lassen. Diese Erfindung markiert den Anfang der Sicherheitstechnik im Eisenbahnsignalwesen. Das Stellwerk ist besonders groß und umfasst dementsprechend viele Fahrstraßen. Alle Hebel des Stellwerks sind gleichartige Langschafthebel, die sich nur in der Farbe unterscheiden. Hinter den Hebeln ist das Verschlussregister offen angeordnet, welches für 60 Hebelplätze ausgelegt ist. Davon sind noch 55 bestückt. Die Stellstangenbündel und Stelldrähte zeigen die Anbindung der Weichen und Signale an das Stellwerk. In den ersten Signalanlagen wurden die Weichen und Riegel -auch über die Distanz von mehreren 100m- mit starken Gestängeleitungen umgestellt. Diese Art erfordert zur Korrektur der Längenschwankungen Temperaturausgleichshebel. In dieser Anlage ist diese aufwendige Antriebsform noch erhalten. Am Stellwerk gehen in Richtung Bahnhof elf Gestängeleitungen ab, die nach Abzweigungen weniger werden. Ein solch großes Bündel ist selten. Das Gebäude, welches das Stellwerk beherbergt, wurde in den 1920er Jahren als Ersatz für das alte im preußischen Stil der Rheinischen Eisenbahn (Ziegelsteinbauweise mit Fachwerk) erneuert. In den 1980er Jahren wurde dieses Gebäude restauriert. Das Stellwerk ist das letzte Beispiel eines SAXBY Stellwerks dieser Größenordnung in Belgien. Es gibt ein Vergleichsbeispiel in Neerpelt, welches durch die flämische Regierung seit dem 16. Oktober 1997 als Denkmal geschützt ist.

Stellwerk Cab. SI (SIEMENS)

Dieses mechanische Stellwerk der Firma Siemens ist in seiner Ausführung kleiner und in der Funktionsweise anders (keine Gestängeleitung) als das Saxby-Stellwerk. Das Stellwerk ist an dieser Stelle ein gutes Vergleichsbeispiel zu Stellwerk II.

Flügelsignale und Gleise mit Weichentechnik

Die Signale der Stellwerke in Raeren nach Roetgen oder Eupen wurden zwischen 1885 und 1942 eingebaut und weisen zwei verschiedene Bauarten auf. Auf dem Westkopf des Bahnhofs (in der Nähe des Stellwerks Cab. S II) sind deutsche Signale rechts der Gleise angebracht. Dieses deutsche System wurde auch nach der Grenzverschiebung beibehalten, obwohl ansonsten in Belgien bei der Eisenbahn Linksverkehr herrschte. Die beiden Ausfahrsignale Richtung Deutschland sind allerdings eine rein belgische Bauform. Diese Flügelsignale deutsch-belgischer Mischbauform sind Ausdruck der wechselvollen Geschichte Ostbelgiens.Das Weichenbild der Gleise hat durch neuere Rückbaumaßnahmen stark gelitten. Es sind jedoch noch einige Kreuzungsweichen mit den mittig angelegten Zungenriegeln der Saxby-Anlage, erhalten, so dass eine Demonstration der Stellstangenbewegungen mit Weichenstellung nach Aussage der Experten noch möglich ist.

Lokomotivwasserkran

Der Lokomotivwasserkran ist der letzte erhaltene von ehemals fünf. Er diente zur Versorgung von Dampflokomotiven mit großen Wassermengen. Diese wurden für den Dampf benötigt, der die Energie zum Fahren liefert und den die Lok während der Fahrt aus dem Schornstein ausstößt. Deshalb musste der Wasservorrat einer Dampflokomotive immer wieder ergänzt werden. Der Wasserkran besteht aus gusseisernen senkrecht frei stehenden Rohren mit einem Ausleger, der über das Gleis seitlich ausgeschwenkt werden kann.

Drehscheibe

Mit der etwa 100 Jahre alten Drehscheibe wurden die Dampflokomotiven horizontal gedreht, so dass sie immer in Vorwärtsrichtung fuhren. Daneben wurden Drehscheiben auch zum raumsparenden Umsetzen eines Fahrzeuges in benachbarte Gleise benutzt, beispielsweise, um sie in Lokschuppen unterzubringen.StehkesseldampflokDiese Dampflok aus dem Hause Emile Duray wurde 1834 erbaut. Sie ist nach Aussage der Experten ein seltenes Zeugnis der Eisenbahngeschichte.

Bahnhofstraße
Raeren
4730
Belgien