Das Europäische Kulturerbe-Siegel

Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel zeichnet die Europäische Union seit 2014 Stätten aus, die symbol- und beispielhaft für die europäische Einigung und die Ideale der Geschichte Europas und der Union stehen.

Beispielhaft für die europäische Einigung

Logo Kulturerbesiegel

Das Siegel will den Beitrag ausgewählter Stätten zur Geschichte und Kultur Europas würdigen, deren Engagement unterstützen, das Gefühl der Zugehörigkeit der europäischen Bürgerinnen und Bürgern und den interkulturellen Dialog in der Union zu fördern.

Kriterium der Auszeichnung ist nicht die Schönheit oder die architektonische Qualität der jeweiligen Kulturerbestätte, sondern ihr besonderer Wert für Europa. Mit diesem europäischen Schwerpunkt unterscheidet es sich auch vom Unesco-Welterbe-Siegel.

Die Zielsetzung des europäischen Siegels liegt nicht in erster Linie in der Erhaltung der ausgezeichneten Stätten, sondern Information und Kommunikation sollen verstärkt werden. Vor allem für junge Menschen wird eine bessere Vermittlung, zum Beispiel durch Bildungsmaßnahmen, angestrebt.

Ausgezeichnete Stätten in Belgien

Zeche « Bois du Cazier » in Marcinelle (2018)

Der Bois du Cazier war ein belgisches Kohlebergwerk im Hennegau, welches im Jahr 1956 traurige Berühmtheit durch das größte Grubenunglück der belgischen Geschichte erlangte. Bei diesem Unglück brach in 975 Meter Tiefe im ein Feuer aus und forderte 262 Todesopfer zwölf Nationalitäten. Die Ursachen für die Katastrophe waren vor allem veraltete Ausrüstung und schlecht geschultes Personal. 1967 stoppte die Bergbauaktivität und ab 2002 wurde die Stätte zu einem Industriemuseum umgebaut. Die Stätte steht für die Arbeiterklasse und die Immigration nach Belgien im 20. Jahrhundert. Sie erinnert an die europäische Solidarität, da im Anschluss an diese Katastrophe die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) Arbeitsschutzmaßnahmen in Bergwerken einführte.

2012 wurde die Anlage gemeinsam mit drei weiteren wallonischen Bergwerken in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Den Link finden Sie im Downloadbereich.

Mundaneum (2016)

Das Mundaneum ist ein Meilenstein der europäischen Geistes- und Sozialgeschichte. Seine Gründer, Henri La Fontaine und Paul Otlet, setzten sich für den Frieden durch Dialog und Wissensaustausch auf europäischer und internationaler Ebene mittels bibliografischer Recherche ein. Ziel des Mundaneums war es, das gesamte verfügbare Weltwissen gleich welcher Form (Bücher, Zeitungen, Postkarten ...) zusammenzutragen und es nach dem von La Fontaine und Otlet entwickelten System der Universellen Dezimalklassifikation zu ordnen.

Das Mundaneum legte den Grundstein für die heutige Dokumentationswissenschaft und gilt als Vorläufer moderner Internetsuchmaschinen.

Die Armenkolonien – Transnationale Stätte (Belgien/Niederlande - 2020)

Die transnationale Stätte umfasst sieben Orte in Belgien und den Niederlanden. Diese entstanden im 19. Jahrhundert im damaligen Königreich der Niederlande mit den Grenzen, die sich aus dem Wiener Kongress ergaben. Als Experiment gestartet, zielte man darauf ab, der damals europaweit herrschenden, extremen Armut durch soziale Beschäftigung in neuen landwirtschaftlichen Siedlungen entgegen zu wirken.

Es wurden innerhalb von sieben Jahren sieben Armenkolonien eingerichtet:

  • fünf im Norden der Niederlande und
  • zwei im Süden, die heute in den belgischen Kempen liegen

Aus dem ganzen Land wurden zahlreiche Einzelpersonen und Familien, die in Armut leben, dorthin geschickt, um in der Landwirtschaft zu arbeiten, zur Schule zu gehen und Disziplin zu lernen. Aber auch Landstreicher, Bettler und auch Waisenkinder wurden dort zwangsweise untergebracht.

Diese neue, ehrgeizige Initiative unterstützen Privatpersonen wie auch Behörden. Sie basiert auf der Idee, unfruchtbares Land wirtschaftlich erträglich zu machen, um die Armut zu bekämpfen und gleichzeitig den Zugang zu Bildung und Beschäftigung sowie die Erhaltung von "Frieden und Ordnung" in der Gesellschaft zu ermöglichen. Es gab jedoch auch die falsche Annahme über die Machbarkeit und Produktivität von Menschen und Land.

Die 175jährige Geschichte der Kolonien offenbart vor allem auch die lange Entwicklung des europäischen Denkens über sozial ausgegrenzte Menschen und ihre kaum anerkannten Rechte als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, die nun in Artikel I.2 der Europäischen Verfassung verankert sind.

Den Link finden Sie im Downloadbereich.