Schmetterling

Schmetterling
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Erläuterung

Auf dieser Karte wird sehr deutlich, wie das aus dem Neuhochdeutschen übernommene WortSchmetterling die mundartlichen Wörter in zahlreichen Ortschaften mehr oder weniger stark verdrängt hat.

Vor allem in der belgischen Eifel und im gesamten deutschen Teil unseres Untersuchungsgebiets (mit Ausnahme der Gemeinden Simmerath und Monschau) sind die überwiegenden Meldungen für die mundartliche Bezeichnung des Schmetterlings beinahe flächendeckend Schmetterling, teilweise in verschiedenen mundartlichen Lautvarianten wieSchmette(r)lengSchmötterlengSchetterling, etc.

Das Wort Schmetterling stammt ursprünglich aus dem östlichen Mitteldeutschland und kommt wahrscheinlich von Schmetten ‚Milchrahm’, denn einem alten Volksglauben zufolge verwandelten sich Hexen in Schmetterlinge und stahlen Sahne und andere Milchprodukte. Auf der Karte des RhWb zu Schmetterling (unter Peipel, Bd. 6, S. 603) findet sich angrenzend an die belgische Eifel der Schmandvogel, der wohl in ähnlichem Sinne zu deuten ist, allerdings nicht in unseren Meldungen vorkommt.

In der belgischen Eifel wurden nur in den südlichen Gemeinden, in der Gemeinde Bütgenbach sowie Holzheim andere Bezeichnungen häufiger oder gleich häufig genannt. So finden wir in Burg Reuland, Lascheid, Dürler, Espeler, Thommen, Braunlauf, Crombach und Metz die aus lat. papilio / frz. papillonentstandenen Bezeichnungen Päipel und Piepel(s. RhWb Bd. 6, S. 601), welche ebenfalls im nördlichen Teil Ostbelgiens als vorwiegende Variante zu finden ist .

In Küchelscheid sowie in der angrenzenden Gemeinde Monschau und der Gemeinde Simmerath ist Biibes die häufigste Meldung.Biibes ist im RhWb in der Bedeutung ‚Nachtfalter’ für Monschau und Höfen zu finden. Hier hat offensichtlich eine Bedeutungserweiterung auf die tagaktiven Verwandten der Nachtfalter stattgefunden.

Im Norden der DG und im französischsprachigen Teil unseres Gebiets scheint sich die neuhochdeutsche Bezeichnung weniger stark ausgebreitet zu haben. Dort hat sie sich nur in Kettenis und Eynatten als häufigste Meldung durchgesetzt und konkurriert in Astenet mitPiepel.

Sowohl Päipel/Pepel/Piepel als auch Biibes,BiibolterFippmopp und Fittvouel sind auf der Karte des RhWb in gleicher oder ähnlicher Lautform für die entsprechenden Gebiete aufgeführt. Schmetterling taucht hier in einem nur sehr kleinen Gebiet in der Aachener Gegend auf, war also offensichtlich vor ca. 100 Jahren noch deutlich weniger stark in den Dialekt vorgedrungen.

Doch wie kann es sein, dass gerade in der Eifel, also in einem Gebiet, in dem der Dialekt in der Regel noch häufiger gesprochen wird, als im Eupener Land - mit Ausnahme von Kelmis - ein neuhochdeutsches Wort die ursprünglichen mundartlichen Wörter verdrängen kann? Die Ursache liegt paradoxerweise womöglich genau in der größeren Lebendigkeit des Dialekts in der belgischen Eifel: Gerade da der Dialekt in diesem Gebiet noch eine lebendigere Alltagssprache ist, ist er auch stärker dem Wandel unterworfen; durch den engen Kontakt zum Standarddeutschen (die meisten Sprecher verwenden beides nebeneinander) liegt es nahe, dass Wörter aus dem Standard in den Dialekt übernommen werden.

Dass sich die Piepel/Pepel-Varianten im französischsprachigen Teil unseres Untersuchungsgebiets sogar flächendeckend erhalten haben, liegt möglicherweise am geringeren Kontakt zum Standarddeutschen und dem somit fehlenden Einfluss auf den Dialekt, vielleicht auch an der Ähnlichkeit zu papillon.

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