Himbeere

Himbeere
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Erläuterung

Für die Himbeere ist in den ostbelgischen Dialekten weitgehend dieselbe Bezeichnung üblich wie im Standarddeutschen, meistens ist auch die Lautform ganz ähnlich (Hem-, Himbeer, -bäär, -bjär aus Hind-beere, zu Hinde 'Hirschkuh'). Nur gebietsweise ist -mbeer zu -mer abgeschwächt (Wirtzfeld, Büllingen: Hämer, Hermer, Monschauer Gegend: Höjmer), und im Treeschland und in der angrenzenden deutschen Eifel lautet die übliche Form Omper ohne H- am Anfang (der Artikel "Himbeere" im RhWb zeigt, dass in den Himbeer-Bezeichnungen auch sonst verbreitet das H- fehlt und auch die Vokale variieren), weiter südlich in Deutschland heißt es Amper, noch weiter südlich dann aber auch wieder Hamper.

In Hombourg und Sippenaeken zeigt sich deutlich der Einfluss des Französischen statt des Standarddeutschen: Hier tritt Himbeer gegenüber Framboos (frz. framboise) zurück, was sonst nirgends gemeldet wurde. Framboise stammt letztendlich allerdings auch aus dem Germanischen (brambes, vgl. nl. braambes 'Brombeere').

 

Es existieren aber auch noch spezifische dialektale Bezeichnungen. Madebeer (wegen der typischen Larven des Himbeerkäfers) wurde vor allem in der Gemeinde Burg Reuland angegeben, allerdings zumeist nur noch als Minderheitsmeldung, und auch noch in Neundorf und in Recht. Mull ist im Norden von Ostbelgien als Wort für die Himbeere verbreitet. Das Wort entspricht dem standarddeutschen Maul- in Maulbeere, zugrunde liegt lat. morum 'Maulbeere; Brombeere' (vgl. DWB: ahd. môrperi, mûrperi, mûlperi). Dass für die Früchte ganz verschiedener Pflanzen – Maulbeere und Brombeere – schon im Lateinischen und ebenso in den heutigen romanischen Sprachen dasselbe Wort gilt (frz. mûre, it./span. mora), erklärt sich mit der starken äußerlichen Ähnlichkeit. Etwas überraschender ist die Übertragung auf die Himbeere. Bei den Beeren-Bezeichnungen sind derartige Übergänge aber häufiger zu beobachten, so z. B. auch bei Hiimel und Biimel, die Nebenformen von Wiemel sind: Wie die RWA-Karte 8 ausweist, ist dies im ganzen Nordwesten des Rheinlands das übliche Wort für die Johannisbeere, aber auch das RhWb (Bd. 9, Sp. 527) führt daneben schon die Bedeutung 'Himbeere' auf.

Der Vergleich dieser Karte mit der DWA-Karte zeigt deutlich die zunehmende Durchsetzung von Himbeer unter dem Einfluss des Standarddeutschen: In der alten Karte ist diese Variante nur in Form weniger Streumeldungen verzeichnet, während Madebeer und Omper geschlossene Areale bilden, die aneinandergrenzen (Omper setzt sich nach Osten fort bis fast an den Rhein) und erst auf der Höhe von Malmedy von Hermer und Hoemer abgelöst werden. Im Norden ist noch durchgehend Mull (Eupen und nördlich anschließend) oder Bach-/Broch-/Bösch-Wiemel eingezeichnet wie auch im Aachener Raum.

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