Streichholz

Streichholz
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Erläuterung

Die Bezeichnungen für das Streichholz sind ein weiteres Beispiel für eine Nord-Süd-Teilung, bei der die nördliche Variante über das Venn hinaus nach Süden reicht.

Es stehen sich im Wesentlichen zwei klar unterscheidbare lexikalische Varianten gegenüber, Schwäjel/Schwejel im Norden, bis hinunter nach Küchelscheid, Elsenborn und Nidrum, und Span im Süden (in verschiedenen Lautformen: vor allem Spi?n in den Gemeinden Bütgenbach und Büllingen sowie in Recht, im Treeschland auch Spoon, und Sping im übrigen Süden (ganz im Süden Spung). 

Schwäjel/Schwejel gehört offenbar zu standarddt. Schwefel, auch wenn diese Beziehung in lautlicher Hinsicht ungewöhnlich ist. Das RhWb (Bd. 7, Sp. 2034) weist zwar darauf hin, dass die Form mit -j-  statt -w- im Niederfränkischen und Ripuarischen "noch für Bed. 1 b [=  'Streichholz'], fast nie für 1 a [= 'Schwefel'] von der ältern Generation gebraucht wird", aber diese Trennung ist nicht alt, wie der vom DWB (Bd. 15, Sp. 2389) zitierte Beleg aus der Koelhoffschen Chronik (Köln 1499) pech vuir swegel zeigt. Weiter östlich, etwa zwischen Rur und Rhein, hat sich im ripuarischen Dialekt auch für das Streichholz vielfach die Bezeichnung Schwefel durchgesetzt (s. RWA Kt. 38). Ein allgemeiner Rückgang der Form Schwegel, wie schon die RhWb-Formulierung "von der ältern Generation gebraucht" nahelegt, ist dagegen für den Dialekt nicht unbedingt zu konstatieren: Nach der RWA-Karte ist diese Form auch heute in den deutschen Dialekten westlich der Rur die einzige und gilt weiter östlich teilweise auch noch. Allerdings zeigen die Angaben zum Gebrauch in der Alltagssprache (http://www.atlas-alltagssprache.de/runde-4/f09/) ein anderes Bild: Danach ist das von jüngeren Sprechern im Alltag tatsächlich verwendete Wort heute in Deutschland (außerhalb Bayerns) ausschließlich nur noch Streichholz.

Der sachliche Zusammenhang mit Schwefel ist klar: Das heutige Streichholz geht über verschiedene Innovationsstufen zurück auf schwefelgetränkte Anzündehilfen (vgl. a. http://de.wikipedia.org/wiki/Streichholz). Das RhWb (RhWb 7, Sp. 2034) erklärt: "... in frühester Zeit waren die Sch[wef/gel]?  kurz geschnittene Hanfstengel; sie wurden in kleinen Bunden (Böselkes) von hundert Stück verkauft, in Schw[efel] getaucht u. dienten zum Feueranmachen, entzündet durch Feuerschlagen mit Zunder".

Andere Anzündehilfen waren Holzstückchen, daher Span, was im Dialekt wie im Standarddeutschen für kleine, als Abfall entstehende Holzstücke allgemein stehen kann. Die Holzspäne, die beim Hobeln oder bei der Herstellung von Holzschuhen entstanden, wurden üblicherweise zum Anzünden des Feuers verwendet (RhWb Bd. 8, Sp. 245f.).

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