Dachboden

Dachboden
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Erläuterung

Die Wörter für den "Raum zwischen dem obersten Geschoss und dem Dach, der oft als Stauraum genutzt wird" (so die Formulierung in der Frage zu dem Bild) gehen alle auf Entlehnung aus dem Lateinischen zurück. So ist Speicher eine deutsche Weiterentwicklung von spicarium 'Getreidespeicher', zu spica 'Ähre' (vgl. a. die frz. Benennung: grenier zu grain bzw. granum). Dieses Wort ist (mit seinen Lautvarianten wie Spischer, Spescher) nicht nur im Südteil der DG, sondern auch im Westen Deutschlands vom Kölner Raum bis hinunter zu Pfalz, in Dialekten (RWA 55) und Alltagssprache (http://www.atlas-alltagssprache.de/dachboden/).

Estrisch/Esserisch, die in der westlichen belgischen Eifel übliche Bezeichnung,  geht auf lat. astracum, astricum 'Estrichguss, Pflaster' zurück, was wiederum aus dem griechischen óstrakon kommt: 'knöcherne, harte Schale von Schnecken etc., Scherbe' (Kluge).  In der Standardsprache Deutschlands und Österreichs wird so ein "fugenloser Fußboden, Unterboden aus einer erhärteten Masse (insbesondere Zement)" (Duden) benannt, in der Schweiz bezeichnet dieses Wort dagegen ebenfalls den Dachboden (ebd., vgl. a, http://www.atlas-alltagssprache.de/dachboden/).

Vom Monschauer Raum an nördlich ist die Bezeichnung für den Dachboden dagegen Söller, Sölder, sowohl in Ostbelgien als auch in Deutschland (bis zum Niederrhein, vgl. RWA 55), wie auch im Niederländischen (zolder). Dies stammt von lat. solarium, gemeint ist der Teil des Hauses, der direkt von der Sonne beschienen wird. Der verdeutlichende Zusatz "öveschte" 'oberster'  tritt in etwas unregelmäßiger Verteilung auf; interessant ist dabei, dass (nur) ganz im Nordwesten dieser Zusatz zur alleinigen Bezeichnung  geworden ist, eventuell unter dem Einfluss von frz. comble(s) 'Gipfel, Höhepunkt; Dachboden'.

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